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Marie Gouze wurde in Montauban in Südfrankreich geboren. Ihre Mutter, Anne-Olympe Gouze, war Putzwarentrödlerin und verheiratet mit dem Metzger Pierre Gouze, der aber wohl nicht Maries Vater war. Dieser war wohl vielmehr der Adlige Jean-Jacques Le Franc de Pompignan, der die Tochter nie anerkannte. Sie heiratete sehr früh, mit siebzehn Jahren, einen Geschäftsmann namens Aubry, und bekam rasch einen Sohn, Pierre. Ob sie schnell Witwe wurde oder vielmehr vor ihrem Mann floh, ist umstritten, jedenfalls verließ sie, noch bevor sie 21 Jahre alt war, Südfrankreich und ging nach Paris, wohl in Begleitung eines wohlhabenden Geliebten, der ihren Lebensunterhalt bestritt.
Bald machte sie als Autorin von Essays, Manifesten und sozialkritischen Theaterstücken von sich reden. Da sie selbst über keine oder kaum Schulbildung verfügte und zudem nicht Französisch sondern Okzitanisch ihre Muttersprache war, musste sie Ihre Texte verbessern lassen oder diktieren und beschäftigte Sekretäre. Ihr erstes Werk war ein autobiographischer Roman, indem sie die Verbindung zu ihrem leiblichen Vater herstellte, der ein angesehener Literat war.
Sie schrieb mehrere Stücke, darunter 1774 das Drama L'Esclavage des Nègres, (die Versklavung der Neger), im sie sich gegen die Sklaverei wandte. Weil sie eine Frau war und wegen der Brisanz des Stückes fand sie keinen Verleger und das Stück wurde erst 1789, in dem Jahr der französischen Revolution uraufgeführt.
1788, ein Jahr vor dem Ausbruch der Revolution, war der drohende Staatsbankrott das wichtigste Gesprächsthema unter den Intellektuellen in Paris. Olympe verfasste eine ihre erste patriotische Schrift, in der sie forderte, dass alle Stände eine Steuer zahlen sollten, um den Bankrott abzuwenden. Den König nahm sie davon aus, so revolutionäre Gedanken waren noch undenkbar.
Während der Revolution wurde Olympe de Gouges eine leidenschaftliche Verfechterin der Menschenrechte. Doch bald musste sie herbe Enttäuschungen erfahren. Die Revolutionäre schwelgten in ihrer "Brüderlichkeit", ohne auch ca. eine Minute lang an die Rechte ihrer "Schwestern" zu denken, die bei der Revolution ebenfalls ihr Leben gelassen hatten.
1791 gründete sie den Cercle Social - einen Verein mit dem Absicht, die politische und rechtliche Gleichberechtigung der Frauen anzustreben. Der Cercle Social traf sich bei Sophie de Condorcet , einer weiteren bekannten Frauenrechtlerin jener Zeit. In diesem Kreis äußerte sie auch erstmals ihren berühmten Satz Die Frau hat das Recht, das Schafott zu besteigen. Sie muss gleichermaßen das Recht besitzen, die Rednertribüne zu besteigen.
Im selben Jahr verfasste sie die Déclaration des droits de la Femme et de la Citoyenne (Erklärung der Rechte der Frau und der Bürgerin), die erste alle Menschen umfassende Menschen- und Bürgerrechtserklärung überhaupt. Gleich anschließend folgte ihr Entwurf eines Gesellschaftsvertrags für Ehepartner (Contract Social). Ihre Erklärung der Frauenrechte löste jedoch kein Echo aus, keine Diskussionen. Sie wurde einfach ignoriert.
Olympe de Gouges mischte sich überall ein, wo ihr Ungerechtigkeiten auffielen. So setzte sie sich zu dem Beispiel auch für die Verteidigung von Ludwig XVI. ein, als dieser ohne Gerichtsverfahren geköpft werden sollte. Der zeitgenössische Historiker Michelet kommentierte sie wie folgt: Man ließ sie in mehr als einer Angelegenheit, die ihr schwacher Kopf nicht verstand, handeln und schreiben. (Zitiert aus: Luise F. Pusch: 300 Porträts berühmter Frauen. Insel Verlag, 1999, S. 111)
Ob ihrer enttäuschten Hoffnungen wurden ihre Schriften stets vehementer und direkter. Schließlich führte ihr Stück Drei Urnen oder das Wohl des Vaterlandes 1793 zu ihrer Verhaftung und anschließenden Hinrichtung. So musste die Kämpferin für die Menschenrechte aufs Schafott, ohne selbst jemals das Recht gehabt zu haben, die Rednertribüne zu betreten (was sie aber trotzdem tat).
Buch-Tipp: Die Rechte der Frau. Und andere Schriften Zwischen allen Stühlen Sie hatte an die Vernunft geglaubt, daran, dass wahrhaft bessere Zeiten anbrechen würden, nach dem die Französische Revolution Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit proklamierte. Sie nahm diese Proklamation beim Wort und kämpfte dafür mit vollem Einsatz, dass sie auch die volle Gleichberechtigung der Frauen beinhalte,... |